Unsere Meißner Widder

Nach längerer Pause war es der SZG Meißner Widder möglich, sich an einer Kreisschau in den Mauern der Geburtsstadt der Meißner Widder zu beteiligen. Wenn auch die Farbenschläge blau, gelb und grau nur bei Einzeltieren gezeigt wurden, so traten in Schwarzsilber Stämme, Familien und Geschwistersammlungen in allen Schattierungen in Erscheinung.

In der Auswertung kam es zu einer ausgiebigen Aussprache. Unsere Zuchtrichter gehen einen falschen Weg, wenn sie unsere hellschattierten Tiere, die heute eine Seltenheit sind, in Silberung und Schattierung mit dem Vermerk auf der Bewertungskarte strafen: zu hell, bald wie HGrS. Das bringt bestimmt in unsere Reihen Verwirrung. Früher hatten wir alle Schattierungen vom hellsten Hell bis zum tiefsten Dunkel, und es war eine Augenweide, unsere Meißner Widder auf Ausstellungen zu betrachten. Heute werden bei der Bewertung die mittel- bis dunkelschattierten Tiere bevorzugt. Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, wenn die hellen Tiere verschwinden. Ich glaube behaupten zu können, daß bei den Kleinsilbern schwarz die Tendenz vorherrscht, auf dunkel-mittel und dunkel überzugehen und damit die Meißner Widder in die gleichen Bahnen zu lenken.

Diesen Fehler wollen wir in der SZG Meißner Widder auf keinen Fall begehen. Die Kleinsilberzüchter werden es bald bereuen, wenn ihre Schwarzen immer dunkler werden. Man braucht sich ja heute nur einmal die KlS schwarz auf den Schauen anzusehen, dann weiß man alles.

Besonders die recht abseitswohnenden Mitglieder gaben zur Kenntnis, daß sie durch unsachgemäßes Richten auf verschiedenen Lokalschauen große Enttäuschungen erlebten und Jahre vergehen, ehe sie sich in unserer Rasse auskennen. Es war deshalb an der Zeit, daß unsere Zuchtrichter wieder einmal Gelegenheit hatten, fast in allen Farbenschlägen unsere Meißner Widder richten zu können. Und was ich besonders begrüße, im Beisein des Zuchtrichters konnten in der Tierbesprechung von alten, erfahrenen Züchtern Meißner Widder wertvolle Hinweise entgegengenommen werden, die dann in den Zuchtrichtertagungen weitergegeben werden können. Wir müssen überhaupt mehr als bisher Gelegenheit haben, in den Zuchtrichtersitzungen unsere Tiere zur Besprechung vorzuführen, damit alle Richter Meißner Widder zu sehen bekommen.

Es wird von den Zuchtrichtern meist der Fehler gemacht, daß sie annehmen, es ist der Widdertyp der Deutschen Widder. Unser Meißner Widder ist eine Rasse für sich und daher auch ein anderer Typ. Die Bewertungsbestimmungen weisen doch deutlich auf Körperform und Bau des Meißner Widders hin. Es heißt dort unter anderem: Der Meißner Widder ist nicht so gedrungen und massig wie der Deutsche Widder. Der Körper ist leicht gestreckt mit breiter Brust und Hinterpartie. Der Rücken ist schön gewölbt, hinten gut abgerundet. Die Läufe sind kräftig. breit gestellt, gerade aufgesetzt, wodurch sich eine mittelhohe Stellung des Körpers ergibt. Bei älteren Häsinnen ist eine kleine ebenmäßig geformte Wamme gestattet. Die Größe entspricht dem Vollgewicht von 4,5 kg, das Mindestgewicht ist 3,5 kg. das Höchstgewicht 5,5 kg. Kopf und Behang: Der Kopf ist im Profil widderartig mit schönem gebogenem Nasenrücken, zeigt jedoch nicht den ausgesprochenen Widdertyn des Deutschen Widders. Im übrigen soll der Kopf kräftig mit breiter Stirn und Schnauzpartie sein. Bei der Häsin ist der Kopf entsprechend dem Geschlechtscharakter etwas schwächer als beim Rammler. Der Behang ist entsprechend der geringeren Größe etwas leichter als beim Deutschen Widder. Die Behanglänge beträgt etwa 38-42 cm. Die Ohren sind gut angesetzt, beiderseits röhrenartig voll und hohl getragen, nach dem Körper gerichtete Schallöffnung gilt als ideal.

Silberung und Schattierung: Anerkannt sind alle Farbenschläge, die beim Kleinsilber angeführt sind. Die Deckfarbe ist am ganzen Körper gleichmäßig gesilbert mit reichlichem Glanz. Im übrigen wird für die Silberung und Schattierung dasselbe verlangt, wie bei den Kleinsilbern beschrieben. Unterfarbe: Für die Unterfarbe gilt für jeden Farbenschlag die gleiche Forderung wie bei den Kleinsilbern.

Im Gewicht erreichten die 7 Monate alten Tiere nur das Mindestgewicht. Es dürften künftig nur die Tiere von Frühjahrswürfen zur Anmeldung kommen. In Größe waren einige Tiere etwas kurz, es fehlte da schon als Jungtier mehr Auslauf, damit wir einen leicht gestreckten Körper erreichen. Bei den Häsinnen müssen wir alle zur Doppelwamme neigenden Tiere von der Zucht ausschließen. In Kopf und Behang können sich unsere Meißner Widder sehen lassen. In der Unterfarbe waren wenig Beanstandungen zu verzeichnen. Nun liegt es an den einzelnen Gruppen, daß zu der kommenden Zuchtperiode gut zusammengearbeitet wird. In Gelb und Grau so weiter im Kollektiv arbeiten, damit wir wieder die alte Höhe erreichen, Zur nächsten Schau müssen sich alle Mitglieder beteiligen. Unsere Farbenschläge werden wir bald in guter Verfassung haben und dem Ideal immer näher kommen. Die vielen Anfragen nach Meißner Widdern beweisen, daß sie dem Kleinsilber nicht nachstehen, im Gegenteil, in dem größeren Fell steckt ein höherer wirtschaftlicher Wert.

Neupold

Quelle: Der Kaninchenzüchter Ausgabe vom 25. April 1958