Zum 100. Geburtstag einer seltenen Kaninchenrasse: Unsere edlen Meißner Widder

Entstehung der Rasse

Um 1900 wechselte der Modetrend in Deutschland sehr schnell. Die fellverarbeitende Pelzindustrie hatte große Nachfrage für große Kaninchenfelle in der Silberfarbe. Aus diesem Grund wollte Leopold Reck ein großes Kaninchen mit Silberfell erzüchten. Welche Ausgangsrassen er hierfür auserkoren hatte, ist nicht bekannt, aber es ist zu vermuten, dass die damaligen Französischen Widder und das Kleinsilberkaninchen Pate standen. Allerdings herrschte damals die Meinung vor, dass dieses genetisch nicht möglich sei, und Leopold Reck wurde es nicht zugetraut. Da er es sich aber in den Kopf gesetzt hatte, ein Widderkaninchen mit Silberfell zu erzüchten, versuchte er es trotz aller Skepsis der Züchterschaft, den Plan in die Tat umzusetzen.

Nach etlichen Versuchsjahren fielen im Januar 1900 die ersten Tiere im Widdertyp mit Silberung; es war die Geburtsstunde der Meißner Widder. Allerdings gab es auch wieder Rückschläge, denn es gelang nur schwer und schrittweise, die Silberung mit dem Widdertyp zu vereinigen. Das Zuchtziel, einen größeren Pelzlieferanten mit dem Silberfell der Kleinsilber zu schaffen, wurde aber doch erreicht.

Seine Neuzüchtung stellte er 1902 vor. Es ist nicht bekannt, ob es auf einer Ausstellung oder im Rassekaninchenzuchtverein geschah. Erstaunlicherweise wurde diese Rasse aber noch im selben Jahr im deutschen Einheitsstandard aufgenommen.

Im April 1907 entschied die Landeszentrale jedoch, die Meißner Widder wieder aus dem Standard zu streichen. Gründe dafür sind bis heute nicht bekannt. Dies löste helle Aufregung unter den Meißner-Widder-Züchtern aus, und sie legten Protest beim Verband ein. Leider ist nicht bekannt, welcher Erfolg diesen Protesten beschieden war.

Nach Gründung des Meißner-Widder-Clubs nahm das Interesse für diese Rasse zu, und es fanden sich viele neue Anhänger und Züchter. Anfangs gab es nur den schwarzen Farbenschlag. Die anderen Farbenschläge (Gelb, Blau, Braun und Havannafarbig) wurden erst später erzüchtet. Leopold Reck erzüchtete die schwarzen, blauen und havannafarbigen Meißner Widder. 1927 waren bei der Landesverbandsschau in Meißen die Meißner Widder in allen Farben zu sehen.

Leider war die Züchterschar nie sehr groß, sodass die Zucht einzelner Farbenschläge verloren ging. Der schwarze und blaue Farbenschlag ist bis heute von engagierten Züchtern erhalten worden. Die Gelben wurden zwischenzeitlich durch Kreuzungszucht wieder erzüchtet. Von der Existenz der braunen und havannafarbigen Meißner Widder ist zur Zeit nichts bekannt.

Von anfänglich schmaler Körperform mit spitzen, schmalem Kopf, schlecht getragenen Behängen, aber mit guter Silberung und kurzem dichtem Fell versehenen Tieren, haben sich bis heute doch schon ansehnliche Meißner Widder mit guter Körperform, schönen Köpfen und langen Behängen mit entsprechend guter Silberung entwickelt. Dies ist besonders einigen starl engagierten Züchtern, z.B. um einige Namen zu nennen: Reinhold Kalt, Mühlacker; Wilhelm Neuman, Lübeck; Gerhard Lehmann, Solingen; Waldemar Wissel, Mömbris; Ernst Dinsenbacher, Alzenau; Diethard Schwarze, Bodensee; Adolf Sulzer, Veitsbrunn; Franz Wisthaler, Laichingen; Heinrich Frahling, Emsdetten zu verdanken. Es wäre zu wünschen, dass sich noch mehr Züchter finden, die auch auf Jahre hinaus sich der Meißner-Widder-Zucht zuwenden, um die Zuchtbasis zu verbreitern. Leider ist es so, dass wertvolle Zuchttiere verloren gehen für die dauerhafte Zucht, weil viele Züchter kein Durchhaltevermögen besitzen, oder auch nur so genannte Preisjäger sind und nach kurzer Zeit feststellen müssen, dass diese Rasse dafür nicht geeignet ist.

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