Nach hundert Jahren nur einen kleinen Schritt weiter: Die Meißner Widder

Widder mit Silberung

Der Meißner Widder stellte bei seiner Erzüchtung eine Rasse dar, die es eigentlich gar nicht geben konnte und durfte. Nach landläufiger Meinung ließ sich die Silberung der damaligen Silberrassen keinesfalls auf andere Kaninichen übertragen. So war Recks Vorhaben zunächst und vordergründig, ein schönes Silberfell von einiger Größe zu erzielen. Gleichzeitig wollte er aber einen Widder schaffen, der nicht ganz so groß und wuchtig wie der damalige französische Widder war. Diesem Ansinnen standen allerdings fast übergroße Schwierigkeiten entgegen. Selbst dann, wenn es gelingen sollte, die Silberung tatsächlich zu übertragen, mußten die formlichen Besonderheiten des Widdertryps ja auch noch vereint sein. Und das, so schien es, war unmöglich.

Reck versuchte es dennoch. Und bevor er 1946 verstarb, gab er niemals die eigentliche Erzüchtungsgeschichte preis. Reck stieß bei seinen Versuchen auf große Schwierigkeiten, die nur schwer gemeistert werden konnten. Und zwar waren die berühmten Englischen Widderkaninchen zu verweichlichten

Tieren >verzüchtet< worden, die man teilweise wegen des Ohrmuschelwachstums in Treibhäusern für Pflanzen züchtete, während die schweren und riesigen Widderkaninchen aus Frankreich eher am Ende waren, als daß man sie für Zuchtversuche hätte einsetzen können.

Eine weitere Schwierigkeit stellten die Silberkaninchen dar. Doch diese waren teils aufgespalten in alle möglichen >Fraktionen< von den größeren Silberkaninchen, teils waren sie infolge verständlicher Habgier fellmäßig schwach. Schließlich galt es immer noch, die leergeschossenen Jagdgründe Nordamerikas und Sibirens zu ersetzen. Dazu strebte man einerseits nach Großzüchtungen, weil ein großes Silberfell natürlich mehr einbrachte, anderseits waren die Kleinsilberzüchter eifersüchtig darauf bedacht, ihre Kaninchenfelle in Massen abzusetzen, was der Zucht an sich auch nicht gerade zuträglich war. Die Grundsatzfrage für Reck muß also gewesen sein: Woher bekomme ich gute Ausgangstiere ?

Schaut man sich nun die Silberkaninchen damaliger Zuchtrichtungen an, so erkennt man unschwer an alten Abbildungen, daß die Köpfe sehr spitz zuliefen. Auch wenn Reck sich ausmalte, von den Silberkaninichen nur das Fell mit der schönen Silberung erben zu wollen, so mußte er dennoch diese schwachen Köpfe mit in Rechnung stellen. Hingegen wirkten die alten großen Widder eher plump. Und diese mußte er ja nehmen, denn die Englischen Widder besaßen ebenfalls nicht die, als Gegenpart benötigten wuchtigen Köpfe. Die formlichen Probleme lagen also darin, Wasser und Feuer vereinen zu wollen.

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