Futterwertprüfung von Mast-Alleinfutter für Kaninchen

Kaninchenfutter wurde lange nicht mehr geprüft:

Der Futterwert verschiedener im Handel erhältlicher KaninchenMastfutter ist in Deutschland 1994/95 zum letzten Mal untersucht worden (DGS W 26/1995). Mittlerweile sind neue Erkenntnisse über die Ansprüche an Kaninchen-Mastfutter in die Rezepturen der Futtermittel-Hersteller eingeflossen, u. a. wird über den Zusatz von Hilfsmitteln wie Kupfer und Probiotika versucht, fütterungsbedingte Erkrankungen in der Absetz- und frühen Mastphase zu vermindern. Nach wie vor ist die 3. bis 8. Lebenswoche der sensibelste Bereich in der Kaninchenmast. Der Verdauung und dem Stoffwechsel der Jungkaninchen werden in dieser Zeit Höchstleistungen abverlangt, die vom Halter ein großes Maß an Sorgfalt und Hygiene, nicht zuletzt in der Fütterung, erfordern.

Absetzerkrankungen haben zugenommen

Die idealen Mastpellets sind leider noch nicht entwickelt worden: Ein Mastfutter, das einerseits hohe Wachstumsraten durch hohe Anteile hochverdaulicher Protein- und Energieträger ermöglicht, andererseits aber zusätzlich eine gesunde Darmflora aufbaut und stabilisiert, ist für Futtermittelhersteller eine schwer lösbare Aufgabe. Die fütterungsbedingten Verluste in der Mast sind in der Praxis nach wie vor hoch, altbekannte Absetzerkrankungen wie Kokzidiose, unspezifische Dysenterie und Enteritis haben im vergangenen Wirtschaftsjahr laut Veterinären wieder deutlich zugenommen. In diesem Zusammenhang werden auch dem bislang weitgehend ungeklärten Krankheitsphänomen der Enterocolitis fütterungsbedingte Ursachen nachgesagt (DGS 40/2000). Letztlich bleibt dem Praktiker die Auswahl zwischen Allein-, Mast- oder speziellem Absetzfutter, dessen Inhalt oft nicht klar deklariert ist. Unbefriedigend ist die derzeit futtermittelrechtliche legale Angabe von Sammelbezeichnungen wie Getreide oder Ölsaaten auf dem Sackanhänger von Kaninchenalleinfutter anstelle der Einzelfutterkomponenten (die im Deutschen Verband Tiernahrung [DVT] und im Deutschen Raiffeisen-Verband [DRV] zusammengeschlossenen Mischfutterproduzenten wollen in Zukunft freiwillig auf die Zusammenfassung von Futtermittelgruppen verzichten, siehe DGS Intern 8, 2001). Erschwerend kommt hinzu, dass für den Praktiker ein Kostenvergleich anhand der Energiekonzentration derzeit nicht möglich ist. Hierzu fehlen sowohl wissenschaftlich abgesicherte Energiebewertungsmaßstäbe für das Kaninchen als auch Angaben über die Gehalte an leicht verdaulichen Kohlenhydraten. Im Folgenden werden die Ergebnisse einer Futterwertprüfung an der Bayerischen Lehr- und Versuchsstation für Kleintiere in Kitzingen vorgestellt, wobei die Mastleistung von Kaninchen im Zusammenhang mit den tatsächlich ermittelten Inhaltsstoffen der eingesetzten Mastfutter diskutiert werden. Für die Auswahl der Futtermittel wurden vier führende Futtermittelhersteller angeschrieben.

RKW SÜD: "Ringkanin Mast"

Muskator: "Ovator Kombi Kanin"

DEUKA: "deukanin Profi Z + M"

Cremermühle: "CLUB Kanin HL"

Die genannten Fertigfutter wurden jeweils als Empfehlung für die wirtschaftliche Kaninchenmast genannt.

Tiere, Material und Methode

240 Mastkaninchen der Hybridlinie "ZIKA" (Vermehrungsbetrieb: Kurt Hausler) wurden mit einem einheitlichen Absetzgewicht von ca. 700 g im Alter von 28 Tagen in Drahtkäfigen (L 70 cm x B 60 cm x H 40 cm, 4 200 qcm nutzbare Fläche, 4 Masttiere pro Käfig) am 13.09.2000 aufgestallt, wobei nach Geschlechtern getrennt wurde. Bei dem Maststall handelte es sich um einen Kaltluftstall mit Schwerkraftlüftung durch eine Offenfront, die sich über ca. 30 % der Südwand des Stalles erstreckte. Es wurde außer der Arbeitsbeleuchtung für die Betreuung kein Kunstlicht eingesetzt. Das Tageslicht über die Offenfront und Fenster auf der Westseite erfüllte die Lichtbedürfnisse ausreichend. Bis zum Ende der 6. Lebenswoche konnte von allen Versuchsgruppen einheitlich ein Aufzuchtfutter ad libitum (d. h. ohne Rationierung bzw. Mengenbeschränkung) aufgenommen werden ("Kanin HL, Sondermischung Coiden Paciflor" der Cremer Futtermühlen GmbH). Nach der zweiwöchigen Vormast wurden vier Gruppen a 60 Masttiere (je Futtermittel 30 männliche, 30 weibliche Masttiere) mit je einem der vier zu untersuchenden Alleinfutter bis zum Ende der 12. Lebenswoche ausgemästet, d. h., jedes Futtermittel wurde mit 15 Wiederholungen geprüft. Die Rohnährstoffe der vier Futtermittel befinden sich laut Herstellerangaben mit 16-17,5 % Rohprotein, 14,5-16 % Rohfaser und 8-9 % Rohasche etwa auf demselben Niveau (vergl. Tab.l). Alle vier Futtermittel sind lt. Produktbeschreibung für die intensive Mast geeignet, wobei das "RKW" und das "CLUB"-Futter als reine Mastfutter deklariert sind. Das DEUKA-Futter enthielt als einziges einen deklarierten Probiotika-Zusatz ("Bacillus cereus"). Die vier Futtermittel wurden im Labor der Bayrischen Landesanstalt für Tierzucht in Grub bzgl. ihres Gehalts an Rohnährstoffen, Mineralstoffen (Ca, P, Na) sowie Stärke und Zucker analysiert. Aus versuchstechnischen Gründen mussten die vier Gruppen nach Futtermitteln blockweise aufgestallt werden und waren daher nicht optimal randomisiert. Leichte Gewichtsunterschiede zwischen den Gruppen knapp über dem Signifikanzniveau bereits bei Versuchsbeginn waren die Folge. Im weiteren Versuchsverlauf wurde dieser Effekt jedoch durch die futtermittelbedingten Einflüsse deutlich überlagert. Durchfallerscheinungen und Abgängen in der 1. Versuchswoche wurden vom Tiergesundheitsdienst Bayern als unspezifische Dysenterie diagnostiziert. Das Impfprogramm und die notwendigen veterinärmedizinischen Behandlungen sahen wie folgt aus:

27.09.: Cunivak RHD-Impfung

11.10.: Cunivak PasteurellaImpfung

11.10.-13.10.: Essig-Kur 120 ml/10 1 Trinkwasser

18.10.-22.10.: Neomycin 10 mg/kg über Trinkwasser

18.10.-20.10.: Enteroferm 35 g

25.10.-27.10.: Essig-Kur 120 ml/10 1 Trinkwasser

Die Mastkaninchen wurden beim Aufstallen (13.09.2000) sowie alle zwei Wochen einzeln gewogen und der Futterverzehr festgestellt. Am 09.11.2000 wurden die letzten Ergebnisse erfasst. Sämtliche Daten wurden mit dem Statistik-Programm "SAS" ausgewertet (SAS-System 6.12 für Windows, Basis-Paket).

Analysen und Deklaration der Futtermittel

Die chemischen Analysen der laut Futtermittelrecht deklarationspflichtigen Inhaltsstoffe zeigten relativ geringe Abweichungen von den angegebenen Zielwerten und bewegen sich innerhalb der zugelassenen Toleranzgrenzen (Tab. 1). Angaben über den Rohprotein-, Rohfett- und Rohfasergehalt eines Alleinfutters reichen leider nicht zur energetischen Einstufung aus. Aus diesem Grund wurden im Labor der Bayerischen Landesanstalt zusätzlich der Gehalt an leicht verdaulichen Kohlenhydraten bestimmt. Die Analyse der Stärke- und Zuckergehalte zeigte deutliche Unterschiede zwischen den vier Futtermitteln, wobei das Muskator-Futter durch relativ niedrige Stärkewerte (9,9 %) und das Deuka-Futter durch einen niedrigen Zuckergehalt (2 %) auffällt. Unterschiede in den Kohlenhydrat-Bestandteilen könnten somit auch eine Erklärung für die beobachteten Differenzen in der Mastleistung und Verlustrate sein. Wünschenswert wären Angaben der Futtermittelhersteller bezüglich der Gehalte an Mineralstoffen. Insbesondere bei Darmerkrankungen der Jungtiere ist dem Salzgehalt in der täglichen Ration besondere Aufmerksamkeit zu schenken und sollte daher auf den Angaben des Sackanhängers nicht fehlen. Die Futtermittelhersteller unterscheiden sich stark in der Angabe der verwendeten Futterkomponenten. Während das RKW-Süd und Muskator z. B. die Art der Getreideund Grünmehlkomponenten im Einzelnen freiwillig benennen, werden bei DEUKA und CLUB wenig transparente Sammelbegriffe verwendet (siehe Tab. 2). Der Wechsel einer Getreidesorte oder von Luzerne- auf Grasgrünmehl kann also vom Kaninchenhalter nicht festgestellt werden.

Ergebnisse

Bei signifikant unterschiedlicher Gewichtsentwicklung liegt die Futteraufnahme aller vier Gruppen auf demselben Niveau. Die Futterverwertung und die Zunahmen sind offensichtlich entscheidend vom Gesundheitsstatus der Gruppen und der unterschiedlichen Mortalität beeinflusst worden. Hier zeigt das DEUKA-Futter die besten Werte. Sowohl in den Zunahmen, den Endgewichten und der Futterverwertung ist dieses Alleinfutter dem Muskator- und CLUB-Futter überlegen. Das getestete RKW-Futter nimmt in diesen Merkmalen eine Zwischenstellung ein. Inwieweit das zugesetzte Probiotikum "Bacillus cereus" hier einen entscheidenden Einfluss auf die Darmgesundheit gespielt hat, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, da die vier Futter sich auch im Stärke- und Zuckergehalt deutlich unterschieden. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass der Futterwechsel vom Absetzfutter zum Mastfutter von der DEUKA-Gruppe besser verkraftet wurde als von den anderen drei Gruppen (siehe Verluste im 1. Mastabschnitt in der Grafik "Abgänge in den einzelnen Mastabschnitten"). Die Gewichtsentwicklungen im Versuchsverlauf zeigen, dass die leichten Wachstumsdepressionen durch vermehrte Darmerkrankungen in der 7.-8. Lebenswoche von der RKW- und Muskator-Gruppe bis zum Mastende teilweise wieder aufgeholt wurden (Kompensatorisches Wachstum). Das RKW-Futter befindet sich daher zum Mastende mit dem DEUKA-Futter auf demselben Niveau. Alle vier Gruppen verfehlten, vermutlich aufgrund der Erkrankungen, das Zielgewicht der ZIKA-Masttiere von 3 100 g mit 84 Tagen. Die allgemein als akzeptabel angesehene bzw. anzustrebende Grenze von 10 % Verlusten in der Kaninchenmast wurde nur von der mit "Muskator" gefütterten Gruppe leicht überschritten (vergl. Grafik). Die gewonnenen Leistungsdaten könnten daher für die vier Futter trotz Krankheitsfälle durchaus als repräsentativ angesehen werden. Die geringe Mortalität von 1,8 % hebt das DEUKA-Futter deutlich aus dem Gesamtbild des Versuches heraus. Sollte dieses Ergebnis auf anderen Betrieben wiederholbar sein, kann die Rezeptur des DEUKA-Futters als echte Weiterentwicklung in der Kaninchenfütterung gewertet werden. Die Mastkennzahl wurde in Anlehnung an die Hähnchenmast als Index aus den wichtigsten Mastkriterien wie tägliche Zunahmen, Futterverwertung und Verluste berechnet. Sie erlaubt eine gute Einstufung der Gesamtwirtschaftlichkeit. Das DEUKA-Futter erreicht hier durch gute Futterverwertung verbunden mit geringer Mortalität die höchste Punktzahl (89 Pkt.). Bemerkenswert ist jedoch auch die Mastkennzahl des RKW-Futters, das bei sehr guter Futterverwertung durch höhere Verluste auf Platz zwei rangiert.

Fazit

Bei der Bayerischen Futterwertleistungsprüfung für Mastkaninchen wurden vier Alleinfuttermittel getestet. Es zeigten sich signifikante Unterschiede in der Körpergewichtsentwicklung, der Futterverwertung und der Mortalität. Die Indexbeurteilung im Rahmen einer Mastkennzahl ergab die Reihung: "Deukanin Z+M" (DEUKA) vor "Ringkanin Mast" (RKW-Süd), gefolgt von "CLUB Kanin HL" (Cremermühle) und "Ovator Kombi Kanin" (Muskator). Die derzeitige Deklaration von Kaninchenfuttermitteln ist häufig wenig transparent und erlaubt dem Praktiker kaum einen wertbestimmenden Vergleich. Insbesondere im Energiegehalt müssen wissenschaftlich abgesicherte Bewertungsmaßstäbe entwickelt werden. Hilfreich wäre bereits jetzt die freiwillige Angabe der Mineralstoffgehalte, der verwendeten Einzelkomponenten und z. B. des Stärke- und Zuckergehaltes durch die Futtermittelhersteller.

Andre Hülsmann und Klaus Damme, LVS Kitzingen

Ergebnisse der Untersuchung:Ergebnisse

Quelle:

Deutscher Kleintierzüchter Heft 10/01